Objektberichte: Fugenabdichtung

Tunnelabdichtung in Stuttgart

Wenn Tunnel nasse Füße bekommen

Die Deutsche Telekom AG unterhält in der Stuttgarter Innenstadt einen ca. 1,7 km langen begehbaren Versorgungstunnel, der zur Verteilung von Datenleitungen zwischen verschiedenen Standorten genutzt wird. Zum Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Fugen der Fertigbetonteile durchgeführt. Bei der Sanierung entschied man sich für ein Injektionsverfahren, durch das die schadhaften Fugen dauerhaft abgedichtet werden konnten. Über seitliche Bohrkanäle wurden die Fugen angebohrt, ohne dabei die vorhandenen Dichtungsprofile zu beschädigen. Diese Profile wirkten bei der Injektion wie eine Verdämmung, die das Abfließen des Injektionsgutes verhinderte. Lediglich an größeren Leckagestellen musste eine Verdämmung vorgesehen werden. Zum Einsatz kam je nach Anforderung der starre Epoxidharz-Spachtel WEBAC®4505 oder der elastische Spachtel WEBAC®4520. In die Bohrkanäle wurden Injektionspacker eingeschraubt und das Abdichtungsmaterial in die Fuge injiziert. Hier kamen zwei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Risse und schmale Pressfugen wurden mit dem PUR-Injektionsharz WEBAC®1403 verpresst. Bei Wasserkontakt bildet das Material eine Wasser undurchlässige Porenstruktur, die in der Lage ist, Bewegungen im Bauteil aufzunehmen. Eine besondere Herausforderung für das ausführende Unternehmen (BST Erich Kühfuß GmbH, Tamm) waren die vielen, zum Teil hoch sensiblen Kabelstränge in dem Versorgungstunnel. Der Einsatz von elektrisch betriebenen Pumpen war ebenso verboten wie Lösemittel oder Reiniger, die eine Explosionsgefahr dargestellt hätten. Die Verarbeitung erfolgte daher mit druckluftbetriebenen Injektionspumpen. Zur Pumpenreinigung innerhalb des Schachtes wurde die Komponente A des PUR-Injektionsharz eingesetzt. Auf diese Weise konnte im Schacht vollständig auf den Einsatz von Reinigungsmitteln verzichtet werden. Breite Fugen und Bereiche, bei denen größere Hohlräume zu verfüllen waren, wurden mit dem Polyacrylatgel WEBAC®240 abgedichtet. Dieses dreikomponentige Material zeichnet sich durch eine hohe Elastizität und Flexibilität aus. Die kurze Reaktionszeit verhindert, dass das Material unkontrolliert in das angrenzende Erdreich abfließt. Es bildet sich vielmehr hinter der Fuge ein abdichtender Gelschleier. Die gesamte Sanierungszeit zog sich über einen Zeitraum von 9 Jahren hin, wobei in zwei Bauabschnitten insgesamt über 3000 m schadhafte Fugen saniert wurden. Der zweite Bauabschnitt wurde im März 2004 erfolgreich abgeschlossen, so dass der Kabelschacht nun wieder trockenen Fußes begangen werden kann.